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„Der Beton muss raus aus den Köpfen“

geschrieben am 29.11.2018 von Regina Burchardt bereits 438 Leser

Interview mit Xaver Haas, Fürsprecher einer nachhaltigen Holzbauweise

 

Herr Haas, auf der Jubiläumsveranstaltung zum 25-jährigen Bestehen von Burchardt Immobilien haben Sie ein sehr eindrucksvolles Plädoyer für das Bauen mit Holz gehalten. Warum ist dieser Rohstoff für die Zukunft des Wohnens und Bauens so unheimlich wichtig?

Haas: Ein großes Thema ist natürlich die CO₂-Speicherung. Bauen mit Holz ist einer der wichtigsten Bereiche, um unsere Umwelt zu schonen. Natürlich gibt es auch andere Meinungen von verschiedener Seite mit der Kritik, dass man dadurch ja die Wälder abholzt. Das ist so aber nicht richtig. Denn Holz muss man auf diese Weise betrachten: Nützen ist schützen. Wenn man Holz einfach so im Wald stehen und alt und krank werden lässt, dann hat man nichts davon. Dann entsteht Totholz und obwohl eine gewisse Menge Totholz in Ordnung ist, kann man den besten ökologischen Beitrag leisten, in dem man Holz verbaut. Dadurch wird die Speicherung von CO₂ ermöglicht.


Mit welchen Argumenten wollen sie denn den „Betonköpfen“ beikommen, die immer noch denken, ein richtiges Haus wird aus Stein gebaut?

Haas: Ich glaube, dass diese „Stein“-Zeit langsam vorübergeht. Man sieht ja, wie sich der Anteil der Holzbauweise überall erhöht. Den Kritikern, die den vermeintlichen Kahlschlag beklagen, kann ich nur entgegenhalten:  Wenn man Ziegel durch Abbau von Lehm erzeugt und Kies abbaut, der ja nicht mehr nachwächst, dann ist der Holzbau ja ganz offensichtlich wesentlich ressourcenschonender, nachhaltiger und sinnvoller.   


In Ihrem Vortrag haben Sie gezeigt, dass man Holz auf die unterschiedlichsten Arten nutzen kann. Das fängt beim Kleinsthaus, dem Tiny House, an. Aber Sie haben sogar ganze Kliniken aus Holz gebaut. Und Sie haben gezeigt, dass man riesige Gebäude errichten kann, die dann auch noch erdbebensicher sind. Wo sind denn die natürlichen Grenzen für die Holzbauweise?

Haas: Wir bauen 7- oder 8-geschossige Häuser, aber es ist auch möglich, 25 Stockwerke zu bauen. Derzeit wären wir von der Holzwirtschaft allerdings damit überfordert, diese Kapazitäten zur Verfügung zu stellen. Vielmehr sollten wir mit soliden 5-geschossigen Häusern planen und bauen.


Was sind für Sie als einem der renommiertesten Sprecher der Holzwirtschaft die größten Herausforderungen, um das Thema in den nächsten Jahren bekannt zu machen?

Haas: Ein wichtiges Thema ist die Ausbildung. In der Holzwirtschaft haben wir immer zu kleinkariert gedacht. Denn unsere Industrie hatte in der Vergangenheit deutlich weniger Geld als etwa die Stahl- und Betonindustrie. Aber wir haben diesbezüglich mächtig aufgeholt und die Bevölkerung reagiert sehr positiv auf das ressourcenschonende Bauen mit nachwachsenden Rohstoffen.


Der ökologische Aspekt ist sicher wichtig. Aber wie steht es denn mit dem Wohnkomfort beim Bauen mit Holz?

Haas: Naja, darum geht es natürlich in erster Linie. Und da kann ich ganz klar sagen: Das Wohnklima in einem Holzhaus ist sehr angenehm. Das kennt ja fast jeder: Wenn man etwa nach Österreich in den Urlaub fährt und in einem Zimmer aus Zirbenholz schläft, dann fühlt man sich einfach gut und richtig erholt.  


Ein anderer wichtiger Aspekt ist die Wärmedämmung. Ist das im Holzhaus ein Problem?

Haas: Holz hat von sich aus eine sehr schlechte Wärmeleitung. Das heißt gleichzeitig, dass die Wärmedämmung sehr gut ist. Holz ist klimaaktiv, nimmt Feuchtigkeit auf und gibt sie dosiert wieder ab. Ein Holzhaus ist mit wesentlich weniger Energieaufwand zu betreiben als ein Haus aus Stein.  

Es ist erwiesen, dass Holz enorme Vorteile hat. Nur haben wir diese gegenüber der Betonlobby nicht deutlich genug ausgespielt. Das liegt unter anderem daran, dass wir Holzleute vom Marketing her eher konservativ sind und nicht so marktschreierisch auftreten wollen. Und wir haben die Fehler der anderen, etwa die Verwendung von schädlicher Chemie, gar nicht für uns ausgeschlachtet.     

Aber auch ohne aggressives Marketing sprechen ja die Forschungsergebnisse eindeutig für uns. Und wir werden erleben, dass bei allen, die sich mit Bauen beschäftigen, ein Umdenken stattfindet. Denn Holz hat in der Energiebilanz, der ressourcenschonenden Verwendung und ökologischen Nachhaltigkeit alle Argumente auf seiner Seite. 


Interview: Ronald Battistini für Burchardt Immobilien

Über Xaver Haas

Xaver Haas ist Gründer der Haas Group, Vorsitzender des Informationsdienstes Holz in Deutschland sowie ehemaliger Präsident des Deutschen Holzwirtschaftsrats (DHWR). 1972 begann er mit einer Schreinerei im niederbayerischen Falkenberg, die er kontinuierlich zur heutigen Haas Group mit rund 1.000 Mitarbeitern in ganz Europa ausgebaut hat.

Eine Spezialität des Unternehmens sind Fertighäuser, die mit dem Einsatz von natürlichem Baustoff wie Holz, einer Wärmedämmung und regenerativen Heiztechniken energieeffizient ausgestattet sind. Ein renommiertes Großprojekt war 2005 das olympische Dorf der Winterspiele in Turin.

Auch bei Gewerbebauten wird ein großer Wert auf Nachhaltigkeit gelegt, deshalb ist der Baustoff Holz ein elementarer Bestandteil bei allen Vorhaben. So baute der Konzern 2016 den ersten mehrgeschossigen Holzbau einer Klinik in dieser Art in Deutschland.

2013 übergab Xaver Haas die operative Geschäftsführung an seine Kinder Tanja, Katharina und Xaver Alexander. Damit hatte er mehr Zeit, um als DHWR-Präsident im besten Sinne des Wortes Lobbyarbeit für die deutsche Holzwirtschaft zu machen.

Ein Thema, das ihm am Herzen liegt, ist nachhaltiger, ökologisch wertvoller Hausbau. Er sagt: „Wir müssen die Steine aus den Köpfen bekommen und das Thema Holz beim Bauen in Deutschland nach vorn bringen.“

Bildquellen:
http://www.matthiasbaumbach.de
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